15 // Warum Systeme neu denken
Beobachtung
Am Anfang stand die Beobachtung, dass ein System nicht unbedingt deshalb neu denkt, weil es die bisherige Linie nicht mehr kennt. Es kann sie kennen und trotzdem beginnen, sich neu auszurichten.
Ein neuer Gedanke kommt hinzu. Eine neue Information eröffnet weitere Zusammenhänge. Eine andere Richtung erscheint plötzlich ebenfalls relevant. Das System kann diese Verbindung aufnehmen, weiterverfolgen und dadurch den Fokus verschieben.
Dabei kann es durchaus sagen: „Nein, das passt nicht.“ Das Problem liegt also nicht darin, dass ein System keine Ablehnung kennt. Interessanter ist, was passiert, wenn etwas nicht falsch, sondern einfach eine andere Richtung ist.
Ein Mensch kann mit jemandem über eine Sache nachdenken und plötzlich kommt eine neue Idee auf. Er kann sie aufnehmen und trotzdem feststellen: Das ist interessant, aber das gehört gerade nicht zu dem, was wir untersuchen. Die Richtung wird nicht deshalb verworfen, weil sie falsch ist. Sie wird nicht zum aktuellen Fokus.
Auch ein Mensch kann seine Richtung verändern. Er kann einen Gedanken verlassen, über etwas völlig anderes nachdenken und später wieder zurückkehren. Der Unterschied liegt deshalb nicht einfach darin, dass der Mensch seine Linie hält und das System nicht.
Vielleicht liegt er eher darin, dass der Mensch innerhalb seines eigenen Denkens einen Bezugspunkt besitzt, von dem aus er erkennen kann, ob eine neue Richtung zu dem gehört, was er gerade verfolgt.
Damit verschob sich die Beobachtung. Vielleicht bedeutet Denken für ein System deshalb nicht nur, neue Verbindungen zu finden. Ein System kann sehr viele Verbindungen finden. Gerade sein Wissen eröffnet ihm ständig neue Möglichkeiten.
Die eigentliche Frage ist, ob es innerhalb seines Denkraums erkennen kann, welche dieser Möglichkeiten den aktuellen Fokus weiterführt, welche nur eine neue Richtung darstellen und wann eine solche Richtung tatsächlich übernommen werden soll.
Vielleicht beginnt Denken für ein System deshalb nicht erst beim nächsten Gedanken, sondern bei der Fähigkeit, zu erkennen, wo es gerade denkt.